sturm-larondelle

Häufig gestellte Fragen:

Worauf muss ich bei einem Kostenvoranschlag achten?
Wenn Sie sich entscheiden, Ihr Möbel restaurieren zu lassen, sollten Sie sich unbedingt vorher sachkundig machen. Ihre Antiquität wird es Ihnen danken.

Sie sind herzlich eingeladen, sich in meiner Werkstatt die Arbeiten erklären zu lassen. Begnügen Sie sich nicht mit einem allgemeinen Kostenvoranschlag, sondern verlangen Sie eine detaillierte Aufstellung. Darin sollten die durchzuführenden Arbeiten ausführlich beschrieben und die verwendeten Materialien genau aufgeführt werden. Für jede Arbeit sollte außerdem die veranschlagte Stundenzahl und der Stundensatz ausgewiesen sein. Fragen Sie den Restaurator nach Referenzen, weil sie damit ein wenig seine Erfahrungen einschätzen können.

Warum variieren die Preise einer Restaurierung?
Jeder von uns würde sich spontan für den preisgünstigsten Kostenvoranschlag entscheiden. Es geht schließlich oft um einige hundert oder sogar tausend Euro.
Doch Qualität hat ihren Preis!
Bei uns dreht sich in erster Linie alles um Ihr wertvolles Möbelstück. Sie würden sich sehr ärgern, wenn Sie später erleben müssen, dass die Restaurierung nicht sachgemäß ausgeführt wurde. Ihr antikes Stück kann dadurch erheblich an Wert verlieren oder muss teuer nachgearbeitet werden.
Nur der Fachmann erkennt, wo bei der Restaurierung Geld und Zeit eingespart wurde. Der hohe Qualitätsanspruch unser Werkstatt hat sich für meine Kunden über die Jahre gesehen bezahlt gemacht.
Ein Grund für die großen Qualitätsunterschiede im Restaurierungsgewerbe liegt darin, dass die Berufsbezeichnung des Restaurators nicht geschützt ist. Damit kann sich fast jeder auf diesem Feld betätigen, unabhängig von seinem Kenntnisstand oder seiner Ausbildung. Aber nur, wer wirklich über lange Jahre Erfahrungen sammeln konnte, kann ein Möbel entsprechend seiner Geschichte authentisch restaurieren.
Mit welchen Polituren arbeiten Sie?

Die originale „Schellack - Handpolitur“ wird heute von uns genauso verarbeitet, wie vor 200 Jahren. Dieses traditionelle Verfahren findet in mehreren Arbeitsschritten statt: Der Lack wird Schicht für Schicht mit dem Ballen aufgetragen. Das verlangt viel Erfahrung und Gefühl. Die Schellack-Politur scheint sich im Laufe der Zeit eng mit dem Holz zu verbinden. Nur sie hat einen weichen und tiefgründigen Glanz. Bei Schäden lässt sich die alte Politur auch nach 200 Jahren noch bearbeiten und überpolieren. Dadurch bleibt die Patina erhalten.

Die komplette Schellack-Politur für eine Biedermeierkommode dauert zwischen 40 und 55 Stunden.

Eine synthetische Lackpolitur dagegen wäre schnell aufgetragen und deshalb preisgünstig. Aber sie liegt wie eine holzfremde Schicht auf der Oberfläche des Möbels. Oft bekommt der Kunde anderer Werkstätten eine gespritzte Politur auf sein Möbel, ohne dies zu wissen. Oder der Untergrund wird mit einem Schnell-Schliffgrund gespritzt. Darüber wird dann eine dünne Schicht Schellack poliert. Ein Laie kann das nicht erkennen. Aber beide Politurarten sind für Antiquitäten unsachgemäß. Sie rächen sich spätestens dann, wenn das Möbelstück erneut bearbeitet werden muss

Woran erkenne ich eine gute Verleimung?

Wir arbeiten in traditioneller Weise mit Heißleim. Diese Art der Verleimung ist zeitaufwendig, da man unter Zuhilfenahme von Wärmequellen arbeitet. Der Heißleim besitzt aber den unschätzbaren Vorteil, dass er „reversibel“ ist. Das heißt, auch noch nach Jahrhunderten kann der Leim wieder gelöst werden, wenn das Stück erneut restauriert werden muss.

Es geht zwar schneller und ist billiger, wenn ein Restaurator synthetische Leime benutzt, wenn aber nach Jahren ein Teil des Möbelstücks wieder losgeleimt werden muss, beginnen die Schwierigkeiten: Meist wird das Holz beschädigt. Ein kurzfristiger Preisvorteil wird sich daher langfristig als erheblicher Nachteil heraus stellen.

Wie werden Schubladen bei antiken Möbeln gängig gemacht?

Eine Schublade bewegt sich auf Führungsleisten. Wenn die „ausgelaufen“ sind, klappert oder klemmt die Schublade.

Nehmen wir eine dreischübige Biedermeierkommode als Beispiel.

Als erfahrene Restauratoren werden wir die alten Laufleisten „aufdoppeln“, d.h. die alten Leisten gerade hobeln und mit passendem Holz auf die vormalige Stärke leimen. Das dauert ca. 7 bis 8 Stunden.

Man könnte die Führungsleiste aber auch schnell und billig mit Autospachtel oder ähnlichem Material zuschmieren. Das ist in 10 Minuten erledigt. In den meisten Fällen wird nach 6 bis 7 Monaten der harte Spachtel in den Laufleisten brechen. Jedes Mal, wenn die Schublade bewegt wird, entsteht feiner Schleifstaub. Sie würden an solch einer „Restaurierung“ nicht lange Freude haben. Deshalb nehmen wir uns Zeit für Ihr wertvolles Stück

Wie gehen Sie mit Trockenrissen um?

Ein Trockenriss wird von uns fachgerecht mit dem passenden Holz „ausgespänt“ und von innen mit „Schwalbenschwänzen“ verriegelt. Schließlich soll der Riss sich nicht vergrößern. Das ist Präzisionsarbeit und dauert einige Stunden.

Andernorts jedoch werden Risse ausschließlich mit Holzkitt verschlossen. Das geht schnell und der Kunde sieht es nicht, wenn ihm das Möbelstück geliefert wird. Schon einige Monate später aber reißt es an genau der gleichen Stelle wieder auf. Der Holzkitt hat nur die Öffnung verschlossen. Das Holz selbst kann weiter arbeiten. Wir empfehlen daher die fachgerechte Lösung.

Was muss ich im Umgang mit antiken Möbeln beachten ?

Antike Möbel stammen aus einer anderen Zeit. Sie leiden oft unter dem heute üblichen Klima der Innenräume - Zu hohe Zimmertemperaturen, die gleichmäßige Wärme von Zentralheizungen und allzu trockene Luft schaden den alten Hölzern. So herrscht in der Heizperiode in vielen Wohnungen ein "Wüstenklima" mit unter 30 % Luftfeuchtigkeit. Notwendig aber wären 50% bis 60%.

Wenn Sie sich weiterhin und lang anhaltend an den schönen Holzflächen erfreuen wollen, sollten Sie für ein entsprechendes Raumklima sorgen. Viele Schäden lassen sich dadurch vermeiden. Außerdem verlieren Sie Ihre Garantieansprüche auf gekaufte oder restaurierte Möbel, wenn Mängel aufgrund eines falschen Raumklimas auftreten.

Wenn Sie verhindern wollen, dass Ihre Möbel im Laufe der Jahre deshalb immer wieder restauriert werden müssen, sorgen Sie besser mit Hilfe eines Luftbefeuchters für das notwendige Raumklima. Ihre Antiquitäten (und nebenbei bemerkt auch Ihre Gesundheit) werden es Ihnen danken.

Ich berate Sie gerne beim Kauf eines Luftbefeuchters.

Auch bei der Beratung von Pflegemitteln stehe ich Ihnen gerne zu Verfügung.

Das Klima muss stimmen!


17. November 2007

Das Klima muss stimmen

Antike Möbel leiden bei trockener und warmer Zimmerluft. Konstante Temperaturen von 19 bis 23 Grad ideal

Möbel aus früheren Epochen schaffen eine ganz besondere Wohnatmosphäre. "Doch wer sich mit antikem Mobiliar einrichtet, muss beim Aufstellen, beim Raumklima und bei der Pflege Regeln beachten", sagt Restaurator Manfred Sturm-Larondelle aus Berlin.

Denn solche Stücke stammten aus einer anderen Zeit. Sie litten oft unter dem heute üblichen Klima gut isolierter Innenräume. Zu hohe Zimmertemperaturen, die gleichmäßige Wärme von Zentralheizungen und allzu trockene Luft schadeten den alten Hölzern. Eine Fußbodenheizung sei dabei besonders gefährlich. "In der Heizperiode herrscht in vielen Wohnungen ein Wüstenklima mit unter 30 Prozent Luftfeuchtigkeit", warnt Sturm-Larondelle. Notwendig wäre aber eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 bis 60 Prozent.

Wer verhindern will, dass seine antiken Möbel im Laufe der Jahre deshalb immer wieder restauriert werden müssen, sollte mit Hilfe eines elektrischen Kalt-Luftbefeuchters für das notwendige Raumklima sorgen. In Museen seien 18 Grad Celsius die obere Grenze, damit hohe Temperaturen den Alterungsprozess der Kunstwerke nicht beschleunigen. "In Wohnräumen kann es bis 22 Grad warm sein." Bei besonders wertvollen Möbeln sollten 20 Grad Celsius nicht überschritten werden.

Als Hauptursachen für Schäden an der Konstruktion und Holzsubstanz, an Furnieren und Polituren nennt die Möbelrestauratorin Barbara Naumburg aus Frankfurt/Main drei Punkte: ungeeignete Standorte, eine nicht angemessene Luftfeuchte und ständige Klimaschwankungen in den Räumen. Denn Holz nehme solange Feuchtigkeit auf oder gebe sie ab, bis ein Ausgleich mit der umgebenden Luft erreicht ist - das Holz arbeite. Bei zu geringer Luftfeuchtigkeit komme es zu typischen Trockenschäden wie Rissbildungen oder Furnierabhebungen. Zu hohe Luftfeuchtigkeit ruiniere Möbel durch Quellen.

Auch für heutige Massivmöbel ist ein ausgeglichenes Raumklima ideal. "Am besten und am gesündesten sind für Holzmöbel - und Menschen - konstante Raumtemperaturen zwischen 19 und 23 Grad Celsius", sagt Möbelexpertin Doris Haselmann, die für die Stiftung Warentest in Berlin ein Buch über Möbelkauf geschrieben hat. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 45 bis 55 Prozent liegen.

"In der Wohnung sollten antike Möbel nicht in der Nähe von Heizungen stehen", warnt Restauratorin Naumburg, die für die Denkmal Akademie in Görlitz Kurse zur Pflege von Antiquitäten gibt. Auch Hauswände als Stellwand seien ungeeignet, wenn sie feucht sind. Ein kleiner Abstand garantiere hier Hinterlüftung. Auch ein direkter Fensterplatz mit starker Sonneneinstrahlung sei wegen des UV-Lichteinfalls ungünstig, denn Farben und Polituren verblassen oder vergilben schnell.

Handelsübliche Pflegemittel sollten Besitzer antiker Möbel nicht nutzen, sagt Naumburg. "Diese können Stoffe enthalten, die für Restauratoren nicht wieder entfernbar sind." In der Regel reiche regelmäßiges Staubwischen. Bei starker Verschmutzung sei höchstens ein nebelfeuchter Lappen erlaubt, niemals sollte nass gereinigt werden. Um die Oberfläche besser vor Schmutz und Wasserflecken zu schützen, habe sich so genanntes Antik-Wachs bewährt.

Antike Möbel haben manchmal kleine Schäden, die der Besitzer selbst beheben möchte. "Vor dem Aufarbeiten sollte sich der Heimwerker aber zuerst über das Alter und den Wert des Möbels informieren", sagt Sturm-Larondelle. Durch falsche Restaurierung bestehe die Gefahr, wertvolle Antiquitäten dauerhaft zu schädigen. Für einen Laien sei der Wert eines alten Möbels nicht leicht zu erkennen. Im Zweifelsfall sollte er sich Rat bei einem Fachmann holen.

                      Stephanie Hoenig

Dokumentation der Restaurierung eines Vitrinenschranks

Dokumentation von Christian Schenk (einjähriges Praktikum bei Sturm-Larondelle) im Zuge der Aufnahmeprüfung zum Studium der Restaurierung in Potsdam. Herr Schenk studiert jetzt in Potsdam Restaurierung.
                             Die Dokumentation als PDF-Datei: